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Welche Hintergründe tragen zur Entwicklung bei, die wir unter Burnout zusammenfassen?
Zuerst ist wichtig festzuhalten, dass es nur im Einzelfall möglich ist, Ursachen und Auslöser voneinander zu trennen, dass es aber durchaus innere und äußere Konstellationen gibt, die man sehr häufig in der Wirkkette findet, wenn Menschen Burnout entwickelt haben.
Es gibt äußere und innere Faktoren, die uns anfälliger machen, ein Burnout zu entwickeln.
Faktoren der Arbeitsumgebung (äußere Faktoren)
Maslach und Leiter haben sechs strukturelle Bedingungen der Arbeitswelt herausgearbeitet, die auf Dauer zu Burnout führen können (Maslach C, Leiter MP, Dt.: Die Wahrheit über Burnout, Berlin: Springer 2001).
- Fehlen von Fairness, Respekt und Wertschätzung im Umgang miteinander (Überbetonung von Konkurrenz gegenüber Kooperation)
- Mangel an Kontrolle über die Auswirkungen des eigenen Tuns, für das man die Verantwortung übernommen hat.
- Widersprüchliche Erfordernisse
- Zusammenbruch der Gemeinschaft und des Vertrauens
- Arbeitsüberlastung
- Unzureichende Entlohnung und Anerkennung
Innere Faktoren:
Es gibt persönliche und lebensgeschichtliche Hintergründe, die anfälliger machen für Burnout: Je nach Berufswahl und den Erlebnissen bei dessen Ausübung können diese Faktoren und daraus sich ergebende Lebensstrategien eine Rolle spielen.
Lebensstrategien, die die Manifestation von Burnout erleichtern, es allein aber gewöhnlich nicht auslösen:
- Perfektionismus
- Zweifel an den eigenen kommunikativen Fähigkeiten
- Überidentifikation
- Überstarke Erwartungen an sich selbst
- Zwanghaftigkeit
- Idealismus
Was Menschen mit so einem Hintergrund und solchen Lebensstrategien ganz schwer möglich ist, ist die Grenzen der eigenen Möglichkeiten und der eigenen Bereitschaften anzuerkennen. Sie fühlen sich für mehr verantwortlich, als sie lösen können. Und was ihnen noch viel schwerer fällt, ist die eigene Bedürftigkeit zu spüren, und wenn sie diese spüren, auszudrücken und sich damit zuzumuten. Ein Mensch, der die eigene Bedürftigkeit, die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen, benennen kann, der die Grenzen der eigenen Möglichkeiten und der eigenen Bereitschaften anerkennt, gegen die Wünsche und die Forderungen der Umgebung auch verteidigen kann, der ist üblicherweise nicht gefährdet, in ein Burnout zu schlittern.
Dazu müssen noch äußere Faktoren kommen: (Berufsgruppen und übliche Belastungen, kommunikative und strukturelle Belastungen, die auslösend wirken)
Wenn man Berufe anschaut, die für Burnout prädestiniert sind, fällt auf, dass alle mit intensiven, das Leid, die Nöte oder die Erwartungen des Menschen betreffenden Aneinanderreihungen von Zweierkontakten zu tun haben. Wobei auf der einen Seite Berufe stehen, bei denen diese Kontakte in einer mehr oder weniger persönlichen bis intimen Situation stattfinden. Beispiele dafür sind Ärzte, Erzieher, Sozialbarbeiter, Krankenschwestern, Altenpfleger, Steuerberater oder auch Architekten. Bei Berufen mit überdurchschnittlichem Burnoutrisiko jagt mehr oder weniger ein Kontakt den anderen. Auf der anderen Seite stehen Berufe, wo der Mensch praktisch mit einem Schlag mit einer Vielzahl von Menschen konfrontiert ist, mit denen er eher öffentliche Zweierkontakte in kurzer zeitlicher Abfolge mit mehr oder weniger klaren Aufträgen halten muss. (Stewardessen, Lehrer). Viele Autoren beschreiben inzwischen auch Burnout- Phänomene außerhalb von Berufstätigkeit genauso wie bei Berufen ohne forcierte Sozialkontakte. Auch lang anhaltende familiäre Belastungen wie die Pflege von Angehörigen bzw. die Tätigkeit als Hausfrau (-mann) und Mutter führen zu den gleichen Symptomen.
Hans Finder und Edi Czamler |
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