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In den letzten 15 Jahren wurde zunehmend über Burnout geforscht und geschrieben und es gibt auch viele verschiedene Klassifizierungen, die von 3 bis 30 Burnoutstufen reichen.
Der Begriff "Burnout" beschreibt einen Prozess, der eine Vielzahl von seelischen, geistigen und körperlichen Zuständen beinhaltet und in dem Menschen von einem Zustand relativen Wohlbefindens in immer tiefere Zustände von Unruhe, Anspannung und Erschöpfung geraten. Burnout wurzelt meist in Überforderungssituationen der Arbeitswelt, die sich üblicherweise aus einer Kombination von persönlicher Leistungsbereitschaft (Überforderungsbereitschaft), entsprechenden Arbeitsanforderungen und unzureichender Anerkennung zusammensetzt. Am Beginn eines Burnout-Prozesses steht hohe Motivation und die Bereitschaft, sich auf Herausforderungen einzulassen. Im Verlauf des Prozesses wird die Herausforderung zur Überforderung. Überforderung macht Angst - die Situation wird bedrohlich - Angst und das Gefühl der Bedrohung aktivieren die Stressachse. "Stressachse" ist ein Begriff für eine körperliche Reaktion, über die alle Wirbeltiere verfügen, die uns in Situationen der Bedrohung beim Überleben hilft und den Körper kampf und fluchtbereit macht.
Aus diesen Überlegungen heraus halten wir uns in der Einteilung und in der Beschreibung der Burnoutphasen und Burnoutebenen vorwiegend an die Ausführungen von Thomas Bergner (Burnout bei Ärzten, Schattauer Verlag 2006; Burnout Prävention, Schattauer Verlag 2007). Wir finden diese Einteilung deshalb vorteilhaft, weil sie die oben beschriebene körperliche und psychische Reaktion auf innere und äußere Bedrohung beschreibt: Nämlich Kampf, Flucht und wenn beides nicht möglich erscheint, Erstarrung und Lähmung (Totstellen).
Diesem Schema entsprechend werden drei Phasen von Burnout beschrieben, die unmerklich ineinander übergehen:
1. Phase Aggression und Aktivität (Kampf)
In der Anfangsphase wird den wenigsten Betroffenen ihre Situation klar. Selbst wer die Anfänge irgendwie wahrnimmt, kann sich nicht vorstellen, was darauf werden kann oder wird. Je nach Willenseinsatz kann diese Phase Jahre, im Extremfall sogar Jahrzehnte dauern. Wirklicher Leidensdruck in der ersten Phase ist selten. In dieser Phase sind die Menschen noch sehr leistungsfähig, haben hohe Standards und Forderungen an sich und Ihre Mitarbeiter. Man zeigt ein eher kämpferisches Verhalten, Sarkasmus und Zynismus sind entsprechende kommunikative Reaktionsformen. Große Geschäftigkeit, das Gefühl der Unentbehrlichkeit bei gleichzeitiger Verleugnung eigener Bedürfnisse bestimmen das Bild. Die Orientierung an Status, Dankbarkeit der Klienten, und ein noch kontrollierter Umgang mit Alkohol, Nikotin, Einkäufen und anderen materiellen Fallen legen die Schienen zu den weiteren Phasen. Hier denken noch die wenigsten an Burnout.
2. Phase Flucht und Rückzug
In dieser Phase zielt das Verhalten darauf ab, sich zu schützen. In dieser Phase verringert sich die eigene Leistungsfähigkeit, wodurch nicht nur die Unzufriedenheit der Mitarbeiter und Klienten steigt, sondern auch die eigene. Typische Phänomene in dieser Zeit sind Planlosigkeit, das Gefühl, immer weniger Zeit zu haben, Geistesabwesenheit und Mängel in der Ausführung. Die Art zu leben ändert sich. Das Essverhalten wird unstet, Bewegung wird entweder im Übermaß betrieben (Sportaholic) oder minimiert. Der Betroffene fühlt sich nicht mehr als einmaliges Individuum, das so viel Einmaliges geben kann, sondern er fühlt sich austauschbar. Das Fluchtverhalten beginnt. Distanz zu anderen und auch zu sich selbst schafft scheinbar Ruhe und Schutz. Der Betroffene nimmt sich selbst nicht mehr richtig wahr, der Kontakt zur Klientel wird minimiert was nach außen nicht auffallen muss. Mitmenschlichkeit und Empathie werden weniger. Man flieht mehr und mehr soziale Kontakte außerhalb des Berufs. Panikattacken können auftreten und körperliche Symptome nehmen zu. Wenn es zu Kontakten kommt, erscheint man zunehmend passiv und uninteressiert. "Was ist bloß mit dir los?" wird man öfter gefragt.
3. Phase Isolation und Passivität (Erstarrung und Lähmung)
Oft steigt erst in dieser Endphase der Leidensdruck so an, dass Hilfe gesucht wird. Sucht spielt in dieser Phase (spätestens) eine Rolle. Um das Gefühl der Unerträglichkeit, der Ausweglosigkeit und aufkommende suizidale Tendenzen zumindest zeitweilig niederzuringen, wird eine Vielzahl von Substanzen mit Wirkung auf das Motivationssystem konsumiert: Alkohol, Medikamente, Drogen, Tabak. Depressionen treten auf, bzw. Depressive noch depressiver, Panikattacken häufiger und quälender. Partnerschaften zerbrechen, Sexualität, bzw. befriedigende Sexualität ist schon lange kein Thema mehr. Innere Befriedigung fehlt praktisch völlig. Eigene Ziele und deren Erreichung sind längst vergessen. In der Endphase leidet der Betroffene an existentieller Verzweiflung, am Gefühl allgemeiner Hilf und Hoffnungslosigkeit, das im Unterschied zur Depression eher aggressiv getönt ist. Der leibliche und seelische Zusammenbruch ist nahe, die Suizidgefahr hoch.
Hans Finder und Edi Czamler |
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