Burnout Questionnaire
 

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ERFAHRUNGSBERICHT (Geschäftsführer, 29 aus Deutschland)

FAQs

Erfahrungsbericht 1

Erfahrungsbericht 2

 

BURNOUT – MEIN STEINIGER WEG ZUR DIAGNOSE:


Zumeist verleiht sich bei einem Burnout die Psyche (ES) Macht über den eigenen Körper. Etwas in einem beginnt auf z.T. drastische Art und Weise mit dem anderen Teil der Psyche (ÜBER-ICH bzw. ICH) zu kommunizieren. ES macht auf sich aufmerksam. ES ist Ihr persönlicher Aufsichtsrat, wenn Sie so möchten und dieses Gremium macht in einem fortgeschrittenen Burnoutstadium Ihre ICH bzw. ÜBER-ICH-Entscheidungen (der Vorstand wenn Sie so wollen) nahezu unmöglich bzw. erschwert diese massiv. ES sieht lange zu, aber wenn ES blockieren möchte, wird ES das tun. ES erscheint in solchen Momenten als der schlimmste Feind, den Sie sich vorstellen können. Manchmal warnt ES und wenn diese Zeichen nicht erhört werden, kann es passieren, dass ES jede weitere Ihrer Entscheidungen einfach blockiert bzw. behindert. ES kann die Notbremse ziehen, aber ES ist Bestandteil Ihrer Psyche – ein Teil Ihrer inneren Organisation, der eine wichtige Funktion erfüllt – nämlich, dass Sie sich nicht zu weit von sich selbst entfernen.
 
Dies zu erkennen und meine persönliche Organisation im Kopf daran neu auszurichten war der leidvollste Teil auf meinem Weg zur Burnoutdiagnose.
Mehr als 18 Monate verbrachte ich in den Ordinationen der verschiedensten Ärzte. Drei Allgemeinmediziner habe ich mit chronischen Schmerzen regelmäßig besucht. Monatelange Halsschmerzen quälten mich zuerst. Alle Ärzte verschrieben mir Symptommedikamente, aber ich blieb hartnäckig und suchte die Ordination wieder und wieder auf. Weiterverweis zum Facharzt. Selbes Spiel – stärkere Medikamente – kein Erfolg. Nach Monaten: Ein Abklingen der Beschwerden. Aber neue Beschwerden tauchten auf. Vermeintliche Herzbeschwerden. Herzrasen und Einschlafstörungen kombiniert mit einem Stechen in der Brust. Abklärungen bis zur Cardioanalyse. "Alles OK, Sie haben ein super Herz für Ihr Alter", sagte mir der Facharzt. Kopfschüttelnd verließ ich die Praxis und nur wenige Tage später war ich schließlich der Überzeugung an Diabetes zu leiden. Abklärung – wieder nichts. Eigentlich hoffte ich schon auf eine körperliche Erkrankung und somit die Erklärung für meinen schlechten Allgemeinzustand und die Symptome, die mich tagtäglich quälten.
Unerklärlich war mir das, Verzweiflung machte sich breit. Eine psychische Schwäche oder Erkrankung habe ich ausgeschlossen. Ich, der leistungsfähige Unternehmer? Der, der mehr leistet wie viele andere? Warum sollte ich denn ein psychisches Problem haben? Gedankengang schnell verworfen und wieder, täglich etwas mehr verunsichert hinein in meinen Arbeitsalltag.
 
VERZICHTEN SIE AUF EIN SCHLÜSSELEREIGNIS!

Bis zu meinem Schlüsselereignis, das sehr vieles veränderte. Drei Tage Business in Berlin, eine Woche vor dem langersehnten Urlaub in Spanien – die Rückreise von Berlin nach Salzburg mit dem Auto.
Schon am Anfang fühlte ich mich leicht unwohl. Aber warum denn? Strecken bis 1000 Kilometer waren für mich doch noch nie ein Problem. Weiter – zurück nach Hause – Arbeitet wartet noch vor dem Urlaub. Gekommen bin ich noch auf die Autobahn. Doch bei Potsdam: Schwindel, Herzrasen, Schwarz vor Augen. Ich sterbe jetzt - auf der Autobahn. Irgendwie habe ich aber den Wagen noch zum Stehen gebracht. Kurz vor einem Parkplatz stellte ich den Motor ab und wartete auf mein Ende. Sicher Herzinfarkt oder Lungenversagen. Was könnte mich sonst auf den Boden zwingen?
30 Minuten später wurde ich zitternd vom Notarzt eines Besseren belehrt. "Ihre Herzfunktion ist normal und auch ansonsten können wir keine aussergewöhnlichen Symptome feststellen. Haben Sie Drogen konsumiert?“ Erschüttert schaute ich Ihn an: Ich? Gerade Ich? Drogen? Nein, natürlich nicht. Daraufhin wurde mir Valium verabreicht. Innerhalb von Minuten fühlte ich mich wie ich mich schon lange nicht mehr fühlen durfte: frei von Angst mit ruhigem Puls.
 
Dies war mein Schlüsselerlebnis, mein ES, das mir auf unmissverständliche Art und Weise klarmachte, dass es jetzt keinen Spielraum mehr für Verhandlungen gibt. Viele Vorzeichen sind vorausgegangen, keines hatte ich richtig deuten können oder wollen.
Zurück in Salzburg begab ich mich unverzüglich in Psychotherapie und begann gezwungenermaßen kürzer zu treten. Da stand ich nun vor allem was ich aufgebaut hatte, aber nichts davon konnte mich mehr glücklich machen. Traumatisiert von dem Erlebnis in Potsdam war es mir nicht mehr möglich in mein Auto einzusteigen, geschweige denn damit zu fahren. Nur der Gedanke daran hatte meinen Puls auf 160 gejagt.
Aber dennoch war ich etwas erleichtert. Eine Diagnose – allgemeiner Erschöpfungszustand – Burnout. Daran kann man arbeiten.

MEIN WEG IN EIN NEUES LEBEN:

Weitere 18 Monate verbrachte ich wöchentlich in der Psychotherapie. Anfangs begleitet von Medikamenten beruhigte sich mein Körper mehr und mehr. Langsam aber spürbar. Allerdings ist der Kampf gegen das Burnout eine Herausforderung, der man sich selbst stellen muss. Nichts das man einfach wegbehandeln lassen kann. Es gibt viel professionelle Hilfe, aber am Ende des Tages ist es die eigene Bereitschaft zu investieren. Und zwar womöglich zum ersten Mal in seinem Leben in sich selbst. Die Ursachen sind multikausal. Die Behandlung sollte es also auch sein. Eine gesunde Ernährung, Bewegung und regelmäßiger Kontakt mit Freunden zählen ebenso zum Maßnahmenplan wie eine professionelle Therapie – die hoffentlich mehr macht als kurzfristige Symptome zu behandeln.
 
Gekostet hat es viel. Eine Partnerin, Geld und Gesundheit. Um Haaresbreite auch die gesamte Existenz. Gebracht hat es mir persönlich aber ein neues zufriedenes, gesünderes und gefestigteres Leben sowie einen smarteren Arbeitstag. Und Koexistenz: Heute bin ich mein Vorstand, der seinen Aufsichtsrat miteinbezieht und zwar vorab, um für größtmögliche Akzeptanz zu sorgen.
 

MEIN PERSÖNLICHES BURNOUT-FAZIT:
 
Ein Paradoxum. Die schlimmste Zeit meines Lebens mit (vermeintlich) todesnahen Erfahrungen, die mir erst ein glücklicheres und bewussteres Leben ermöglichten.

Mein Burnout war die Rebellion meines ES (lt. Freud: http://de.wikipedia.org/wiki/Es_(Psychoanalyse), einem Teil der menschlichen Psyche, der unbewusst steuert und strukturiert. Vom ES werden Triebe, Bedürfnisse und Affekte unbewusst gesteuert bzw. versucht zu befriedigen.
In meinem Fall habe ich dabei beobachtet, wie ich meine eigentlichen Bedürfnisse nach Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit oft auf der Strecke gelassen habe, um mit meinem Über-ICH (Werte- und Normvorstellungen) mein Streben nach Karriere und persönlichem Erfolg zu positionieren.
 
Und sollten Sie selbst von einem Burnout betroffen sein, möchte ich nur einen Tipp mit auf den Weg geben: Tun Sie das, was Burnoutbetroffene zumeist am besten können: Kämpfen. Kämpfen Sie – aber bitte dieses mal für sich selbst.
 
Sollten Sie in persönlichen Kontakt mit diesem Betroffenen treten wollen, so wenden Sie sich bitte via E-Mail an info@burnout.net/english/, Betreff „Betroffenenbericht (Geschäftsführer, 29, männlich aus Deutschland)“. Wir werden Ihre Nachricht dann jedenfalls weiterleiten. Wir bitten um Verständnis, dass wir keine Namen der Betroffenen – ohne deren Einverständnis - bekanntgeben können.

 
 

 
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Burnout.Net 2008