Burnout Questionnaire
 

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ERFAHRUNGSBERICHT 2 (Michael, 41, Anlagenberater, verheiratet, zwei Kinder)

FAQs

Erfahrungsbericht 1

Erfahrungsbericht 2

 

Ich fühlte mich wie ein Zombie, ein Roboter.

Vor meinem Burnout war ich bei einer Agentur für Finanzdienstleistung beschäftigt. Dieser Job bedeutete Stress, denn die Umsatzvorgaben waren hoch, die Zielvorgaben gnadenlos. Doch zu Beginn war ich motiviert und auch voller Power. Bald wurde mir Führungsverantwortung übertragen. Doch mehr Gehalt oder Entlastung bekam ich nicht dafür. Zeitgleich kam unser erstes Kind zur Welt, ein Baby, dass leider Tag und Nacht durchschrie. Meine Frau brauchte Hilfe. Doch Privatleben und Job ließen sich nicht miteinander kombinieren. Die Arbeit ging mir einfach nicht aus dem Kopf. Sie war immer und überall präsent und ich machte mich die ganze Zeit damit fertig, konnte mich dadurch auf nichts anderes konzentrieren und vernachlässige meine Familie ungemein. Meine persönlichen Wünsche und Bedürfnisse kollidierten mit den Interessen der Firma. Ich passte nicht mehr ins System. Bald musste ich feststellen, dass die Solidarität zwischen den Kollegen eine reine Leidenssolidarität gewesen war. Die Wenigsten bewiesen Rückgrat. Einige haben mich regelrecht in die Pfanne gehauen. Ich lernte damals, dass man zu funktionieren hat, und wenn nicht, wurde man ausgestoßen. Diese Situation begann immer mehr an mir zu nagen, so dass mir irgendwann selbst die schönsten Dinge keinerlei Freude mehr bereiteten. Ich fühlte mich nur noch ausgebrannt, niedergeschlagen, überflüssig und leer. Es fiel mir schwer einen Sinn in meinem Leben zu finden.

Mir ging es immer schlechter und ich litt an massiven Schlafstörungen. Das Einschlafen war vorher nie ein Problem gewesen, aber Schlag 2 Uhr morgens wachte ich auf und kam nicht mehr zur Ruhe. Mein Hausarzt verschrieb mir Schlaftabletten. Ich nahm sie nachts, wenn ich aufwachte und schlief weitere zwei Stunden. Dann begann der fürchterlichste Teil der Nacht. Es war, als ergriffe mich eine große, schwere Macht. Stählerne Klauen preßten mich zusammen. Morgens fühlte ich mich erschlagen und besaß keine Kraft aufzustehen. Meine Frau versuchte mich aufzumuntern: Los, komm raus, sagte sie, und irgendwann schleppte ich mich aus dem Bett. Erst im Laufe des Tages ging es mir besser, meist dauerte es aber bis zum Abend, bis ich mich wieder halbwegs normal fühlte.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich empfand. Einige schildern einen Sumpf, in den sie hineingezogen werden ohne sich befreien zu können. Ich fühlte mich wie ein Zombie, ein Roboter. Dabei genoß ich früher jede Art von Aktivitäten, joggte, spielte Golf und war ständig auf Achse. Ich erkannte mich nicht wieder.

Früher hätte ich nie gedacht, dass gerade mich so etwas mal betrifft. Ich verstand mich selbst stets als stabile, starke Persönlichkeit. Aber in diese Spirale gerät man schneller als man denkt, vor allem aber schleichend. Man bemerkt zunächst gar nicht, dass man betroffen ist und plötzlich ist genau das der Fall. Von Medikamenten hielt ich zunächst nicht besonders viel, denn ich konnte mir nur schlecht vorstellen, wie die mir helfen sollten. Doch mit Hilfe meiner Familie kam ich zu der Einsicht, dass professionelle Hilfe unumgänglich ist. Mittlerweile befinde ich mich in psychotherapeutischer Behandlung, habe meine Ernährung umgestellt und betreibe regelmäßig Ausdauersport. Ich bin zwar immer noch im Krankenstand, spüre jedoch wie es langsam aber sicher wieder aufwärts geht.

Gelernt habe ich, dass das Schlimmste ist, wenn Angehörige sagen Nun reiß dich doch zusammen. Lass dich nicht so gehen! Man kann einfach nicht anders. Einfach nur Mut machen, das ist wichtig. Aber nicht mehr, vor allem keine Ratschläge erteilen. Aber natürlich versteht die Familie nicht, warum jemand nicht in der Lage ist, aufzustehen oder sich zu freuen. Aber Verständnis und Mitgefühl sind wichtig. Was mich gerettet hat, war das stundenlange Kartenspiel mit meiner Frau. Es vertrieb mir die endlosen Stunden. Wir haben manchmal den ganzen Tag über Canaster gespielt, weil Kartenspielen das einzige war, was ich tun konnte. Ich war ja nicht einmal mehr in der Lage, ein Buch zu lesen.

 
 

 
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Burnout.Net 2008