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Jeder vierte Arbeitnehmer leidet an einer seelischen Erkrankung. Psychiater Werner Kissling(Klinikum rechts der Isar der TU München) sprach in der Süddeutschen Zeitung kürzlich über erste Anzeichen und darüber, wie Chefs kranken Mitarbeitern helfen können. Laut Dr. Kissling stieg die Zahl der durch psychische Erkrankungen verursachten Fehltage in den vergangenen Jahren um etwa 80 Prozent. Im Schnitt leide jeder Vierte im Laufe seines Lebens mindestens einmal an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung. Für die Unternehmen ist das ein großes Problem, zehn bis elf Prozent der gesamten Krankmeldungen gehen mittlerweile auf psychische Erkrankungen zurück. Die Dunkelziffer ist noch höher. "Viele Arbeitnehmer trauen sich nicht, offen über ihre Krankheit zu sprechen, weil sie Angst haben, es könnte ihrer Karriere schaden. Deshalb ignorieren sie ihre Probleme lieber und reagieren oft zu spät. Das ist fatal für alle Beteiligten.", so Kissling. Wer an einer psychischen Krankheit leidet, fehlt im Durchschnitt 30 Tage. Das kostet das Unternehmen Geld. Noch gravierender sei jedoch die Zeit, die ein Betroffener noch weiter arbeitet, obwohl er bereits an einer psychischen Erkrankung leidet. "Die Fehlerquote im Vorfeld einer Depression beispielsweise ist sechs Mal höher als normal.", so Kissling. Laut Dr. Kissling ist der Übergang zwischen Depressionen und Burnout fließend: Zeichen einer Depression seien gedrückte Stimmung, Interessenverlust und Freudlosigkeit, manchmal auch körperliche Beschwerden und Selbstmordgedanken. Burnout, hingegen, sei ein Zustand emotionaler und körperlicher Erschöpfung, der häufig im Zusammenhang mit beruflicher Überforderung auftritt. "Depressionen gelten noch immer als Zeichen von Schwäche, sie sind eine stigmatisierte Krankheit. Gerade Führungskräfte wollen deshalb nicht eingestehen, dass sie an Depressionen leiden. Burn-out klingt da einfach besser.", ist Kissling überzeugt. Auf die Frage, wie man reagieren soll, wenn er Verdacht auf Burn-out bei Mitarbeitern und Kollegen vorliegt, antwortet Kissling wiefolgt: Man sollten das Thema vorsichtig ansprechen. Um nicht als Hobbypsychologe aufzutreten, sollte man sich gut auf das Gespräch vorbereiten und sich auf das Arbeitsverhalten des Gesprächspartners konzentrieren, ohne Vorwürfe zu äußern. Einfach die Dinge nennen, die einem aufgefallen sind, vielleicht hat der Betroffene ja eine schlüssige Antwort darauf. Nicht jede psychische Auffälligkeit hat Krankheitswert. Man sollte jedoch am Ende des Gesprächs auf jeden Fall darauf hinweisen, wo es professionelle Hilfe gibt. Je früher sich ein erkrankter Mitarbeiter behandeln lässt, desto besser für ihn und das Unternehmen. Das vollständige Interview finden Sie auf: http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/534/496845/text/
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